TeeFee - Gutes für die ganze Familie

Kurzgeschichten

Kurzgeschichte #1: Ausnahmen bestätigen die Regel

Ein gewöhnlicher Kindergartentag begann für Marie. Marie ist schon vier Jahre alt und gehört zu den großen „Einhörnern“ – die mittlere Kindergartengruppe der St. Martins Kita. Am Gruppenfrühstückstisch durfte Marie sich neben die Erzieherin Karla setzen. Dies ist ein sehr beliebter Platz bei den Kindern, denn Karla wird von den Kleinen sehr geschätzt. Jedes Kind erhält zu jeder Mahlzeit ein Platzset aus Papier. Ein kleines Ausmalbild für die Kinder, die bereits fertig mit ihrer Mahlzeit sind und auf die anderen Kinder warten müssen. Eine schöne Idee von Karla um die Wartezeit zu verkürzen und Unruhen entgegenzuwirken. Marie öffnete ihre Snackbox und nahm sich das Wurstbrot und die Gurkenstücke heraus. Karla füllte derweil die kleinen Becher mit warmem Fencheltee. Es war sehr ruhig am Tisch, denn alle Kinder waren mit dem Frühstücken beschäftigt. Marie aber verweigerte das Brot, trank ihren Tee nicht und war schlichtweg launisch. Auch Karla konnte sie nicht umstimmen und musste zusehen, wie Marie mienenverzogen auf ihrem Stuhl saß und schmollte. Sie nahm wiederwillig die Buntstifte in die Hand und fing an den Schweif des Einhorns auszumalen. Als nun die Gruppe die erste Mahlzeit des Tages beendete, Karla die Teller und Becher wegräumte, sah sie kurz zu wie alle, sogar Marie, friedlich ihre Einhörner ausmalten. Es entstanden sehr hübsche Bilder. Filip zeichnete dem Einhorn Eisblitze und malte hellblaue Eisflocken, Charlotte malte kleine Gänseblümchen und Schleifen. Und Marie? Marie malte kleine Linien, die einen schönen Regenbogen ergaben. Sie zeichnete die Linien einzeln mit dem Finger nach, als ob sie die Mähne kämmte. Plötzlich fing ihr Einhorn-Bild an zu glitzern und zu funkeln. Marie saß auf einmal auf ihrem Regenbogen-Einhorn und die Hufen knatterten im Schnee des Feenreichs. „Wie heißt du?“, fragte Marie das Einhorn. „Ich bin Thea,“ erwiderte es. Eine glitzernde weiße Schneeschicht lag zart auf dem Beerenfelsen des Feenreichs. Es war angenehm kühl, durch den Sonnenschein hell und fast als wäre es verzaubert. Weit unten in der Nähe des Teichs stand das Teekannen-Häuschen der TeeFee. Der Rauch des Kamins stieg aus dem Schornstein bis in den Himmel und verschmolz dort mit den Wolken. Marie glaubte eine Blumenwolke zu erkennen und musste grinsen. Marie klopfte an die große Holztür, die kurz darauf von der TeeFee geöffnet wurde. „Da freue ich mich aber über deinen Besuch liebe Marie. Komm herein.“ Thea und Marie gingen ins Teekannen-Häuschen und setzten sich an den lieb gedeckten Esstisch. Ein Obstteller lud zum Naschen und frisch aufgesetzter Tee zum Trinken ein. „Marie, ich habe erfahren, dass du heute Morgen dein Brot und dein Gemüse nicht essen und deinen Tee nicht trinken wolltest, was war denn los?“ fragte die TeeFee während sie ihren Besuchern jeweils eine Tasse Erdbeertee zubereitete. Marie schaute auf den Boden und malte kleine Kreise mit ihren Füßen, sie schämte sich etwas. „Mama hat mir heute nicht erlaubt meine neue Puppe mit in die Kita zu nehmen,“ sagte sie zur TeeFee. Es stellte sich heraus, dass die Kita eine Regel hat, dass man eigenes Spielzeug nicht mit in die Kita bringen darf. Die Erzieher sollen ja schließlich auf die Kinder aufpassen und nicht auf die Stofftiere und Puppen. „Wenn du aber weißt, dass du keine Spielsachen mit in die Kita nehmen darfst, warum bist du dann sauer auf deine Mama? Du wärst doch traurig, wenn deine Puppe verloren ginge oder?“ fragte Thea. „Ja ich wäre traurig, aber jeden Abend erzähle ich Lotte, also meiner Puppe, wie schön es wieder in der Kita war. Und da sie tagsüber immer alleine in meinem Zimmer wartet, dachte ich, es wäre für sie mal ganz schön mitzukommen,“ erklärte Marie. Die TeeFee, Thea und Marie tüfteln an einem Plan. Als Marie sich alles merken konnte, verabschiedeten sich Thea und Marie mit einer herzlichen Umarmung von der TeeFee. „Wow“ sagte Marie und klopfte den Sternenstaub von ihrem blauen Pullover. Die Umarmung der TeeFee muss sie wieder zurück in die Kita zu ihrer Einhorn-Gruppe befördert haben. Die Zeit stand hier während ihrer Abwesenheit wohl still, denn die Gruppe saß noch immer am Esstisch und war fleißig am Malen. Marie erinnert sich, dass sie in diesem Moment ja eigentlich geschmollt und schlechte Laune verbreitet hat. Doch die TeeFee hat sie nun umgestimmt und ein Lächeln „Karla, kann ich dich mal was fragen?“ sagte Marie mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Karla stellte den letzten Becher auf den Geschirrwagen und schaute in Maries Augen und sagte „na, Marie, du siehst ja wieder aus wie die liebe Marie, die ich kenne. Du scheinst ja nun eher einen Regenbogen als den Regen zu sehen.“ „Karla, die TeeFee und ich haben eine Idee. Mama sagt ich darf Lotte nicht mit in die Kita nehmen. Das ist eine Regel. Wie wäre es damit, wenn jedes Kind einmal abwechselnd jeden Freitag sein Lieblings-Spielzeug vorstellt. Dann kann ich Lotte die Einhörner zeigen und meine Lieblings-Erzieherin.“ sagte Marie, während sie Karla umarmte. „Mensch Marie, das ist ja eine wunderschöne Idee. Ausnahmen bestätigen die Regel.“ sagte Karla und nickte zustimmend. „Das ist eine großartige Idee.“ Karla stellte sich an die große Wandtafel am Ende des Gruppenraums. „Kinder könnt ihr mir bitte einen Moment zuhören?“ Alle Kinder legten ihre Stifte zur Seite und setzten sich nacheinander auf den Teppich vor Karla. Sie erklärte den Kindern, was Marie ihr gerade erzählte. „Aber ich möchte euch dazu noch etwas sagen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Das bedeutet nicht, dass die Regel falsch ist. Ohne diese Regel würden vielleicht eure Stofftiere oder Puppen verloren oder gar kaputtgehen. Das möchten wir alle nicht, oder?“ Alle Kinder nickten. „Aber jeder von euch darf einmal sein Lieblings-Spielzeug mitbringen und uns allen zeigen. Das ist doch super, oder?“ Alle Kinder jubelten und Marie war stolz. Am Nachmittag kam Maries Mama in den Gruppenraum um sie wieder abzuholen, in ihrem Arm trug sie Lotte. Strahlend lief Marie auf sie zu, mit im Schlepptau das Bild vom Regenbogen-Einhorn. „Marie, es tut mir leid, dass du heute Morgen so sauer warst, ich habe Lotte Zuhause eingesammelt damit wir dich gemeinsam abholen können. Freust du dich?“ fragte die Mama. „Ja Mama, es tut mir auch leid. Die TeeFee hat mir alles erklärt. Und weißt du was? Wir dürfen unsere Stofftiere und Puppen sogar mal mitnehmen....“ Marie erzählte ihr alles vom heutigen Abenteuer.

Kurzgeschichte #2

Geteilte Freude ist doppelte Freude

Der Frühling begrüßte Marie bereits an der Haustür. Ihre zwei Pipi-Langstrumpf-Zöpfe und ihr Einhorn-Pulli wehten in der milden Brise und die frische Frühlingsluft zauberte ihr ein Lächeln auf die Lippen. „Heute gehen wir bestimmt in den Garten“, sagte sie stolz zu ihrer Mutter, die gerade die Autotür hinten für Marie öffnete. Als Marie angeschnallt in ihrem Kindersitz saß, fragte die Mama worauf Marie sich am meisten am heutigen Donnerstag freute. Marie musste gar nicht lange überlegen und es platzte förmlich aus ihr heraus. „Mama, weißt du, heute, wenn wir im Garten sind, möchte ich schaukeln und rutschen und im Sand spielen und...“ Die Mama lächelte und hörte Marie’s Aufzählung gespannt zu. „...mit Lisa spielen und mit Paul Autos parken. Ach Mama, draußen ist es einfach schön.“ Marie sank in ihren Kindersitz und umarmte ihr Einhorn auf dem Pulli freudig. Als Marie die Tür zum Kindergarten öffnete sah sie schon ihre zwei besten Freunde in der Garderobe. Sie machten eifrig Pläne für den ganzen Tag, verabschiedeten sich von ihren Müttern und begrüßten die anderen Kinder und Karla, die Erzieherin. Kurz nach dem Frühstück durften die Kinder bereits für einen kurzen Augenblick in den Garten. Marie schnappte sich schnell die Schaukel und fing an hin und her zu schwingen. Sie strahlte vor Glück. Lisa wollte auch mit schaukeln, aber Marie vertröstete sie immer wieder, sodass Lisa sich weinend und enttäuscht ein anderes Spielzeug gesucht hat. Nun waren beide traurig. „Paul magst du mit mir spielen?“ fragte Lisa traurig. Paul gab ihr den Eimer und eine kleine Schaufel. „Wir bauen eine große Burg für meine Ritter, ok?“ Beide spielten vergnügt und Marie schaute neidisch zu. Karla klingelte mit ihrem Triangel und alle Kinder versammelten sich blitzschnell. Sie beschlossen noch einen kurzen Ausflug im Kiez zu machen, um die Natur zu beobachten und diese später im Gruppenraum zu malen. Marie wollte mit Lisa laufen, aber sie hielt schon die Hand vom Paul. Da musste Marie sich einen anderen Partner suchen. Nach dem Mittagessen räumten die Kinder den Tisch fleißig ab. Sarah sammelte alle Becher zusammen, Till nahm sich die Teller vor und die kleine Lilli durfte heute den Wassereimer füllen und den Tisch mit einem feuchten Lappen abwischen. Die bunten Platzsets mit den kleinen Einhörnern und Regenbögen stapelte Jonas in der Ecke zusammen. Die bekleckerten mussten in den Papierkorb. Karla trocknete den Tisch nochmal mit einem Handtuch ab und schwang ihre Triangel wieder. Ein Signal für die Kinder sich zu versammeln. „Es ist Zeit für den Mittagsschlaf, meine Lieben. Lilli, Till und Sarah können sich schon mal in ihre Bettchen legen, ich komme gleich dazu und singe euch etwas vor.“ Sagte Karla und zeigte auf das Nachbarzimmer. Die drei genannten machten sich auch ohne Murren auf den Weg. „Marie, kannst du bitte die Stifte holen, Jonas, du bitte das Papier, die anderen können sich schon einen Stuhl aussuchen und hinsetzen.“ Karla pausierte kurz während sie den Aufbau der Kinder beobachtete. „Sehr schön, nun möchte ich, dass ihr etwas Schönes für unsere Frühlingswand malt. Es sollte etwas sein, was ihr heute gesehen oder erlebt habt. Im Garten oder auf unserem kleinen Spaziergang.“ Als Karla mit ihrer Aufgabenstellung fertig war, ging sie ins Nachbarzimmer, schloss die Rollläden, und verteilte Schlafpuppen und Kuscheldecken. Sie nahm sich das Liederbuch, setzte sich auf einen kleinen Hocker in der Raummitte und fing an ruhig und leise Schlaflieder zu singen. Währenddessen wurde im Gruppenraum fleißig gemalt. Jonas malte ein Flugzeug, welches er am Himmel beim Spaziergang entdeckt hat, Paul beschloss seine Sand-Ritterburg zu malen, welche er mit Lisa vorhin im Garten gebaut hatte und Marie malte ein trauriges Mädchen mit zwei Pipi-Langstrumpf-Zöpfchen und einem Einhorn-Pulli. Als Marie das Einhorn auf dem Pulli ausmalte, regnete es einen Glitzerregen und Thea saß plötzlich auf Marie’s Hand. „Hallo Thea“ begrüßte Marie ihr Einhorn. „Hallo liebe Marie, schön, dass wir uns wiedersehen. Sag mal, warum malst du denn so ein trauriges Bild an so einem schönen Tag?“ fragte es. „Lisa wollte meine Hand gar nicht nehmen und ich musste dann mit Jonas laufen. Ich wollte aber mit Lisa über die schönen bunten Blumen reden, damit wir die gemeinsam malen. Jetzt malt sie etwas für Paul“ erklärte Marie. Thea hielt kurz inne und erklärte Marie anschließend, dass Lisa mit ihr spielen, sie aber die Schaukel nicht teilen wollte. „Du darfst nicht traurig sein, wenn Lisa sich ein anderes Spielzeug und einen anderen Spielpartner aussucht. Du hast doch die Entscheidung getroffen alleine zu schaukeln und diese nicht zu teilen. Da war Lisa doch auch traurig, meinst du nicht?“ „Ja das war sie bestimmt“ sah Marie ein. „Weißt du eigentlich, Marie, dass es mehr Spaß macht, wenn man sein Spielzeug teilt?“ Marie dachte kurz nach. „Schau mal, Marie, Paul und Lisa malen gerade zusammen ein Bild, weil sie vorhin im Garten zusammengespielt haben. Das ist doch schön. Wenn du mit Lisa zusammenspielst, kannst du auch mit Lisa laufen und später mit ihr malen. Spielst du jedoch alleine, sei nicht sauer, wenn andere weiterziehen. Geteilte Freude, ist doppelte Freude. Ok?“ erklärte Thea und zauberte sich ohne auf eine Antwort zu warten zurück ins Bild. Der einzige Unterschied nun: Marie’s Bild zeigte nun zwei Mädchen, die eine mit Pipi-Langstrumpf-Zöpfchen und die andere mit einem Pferdeschwanz – Lisa. Beide schaukelten auf der Netzschaukel und lachten. Marie musste auch lachen und verstand nun, was sie zu tu hatte. Sie stand auf und ging rüber zu Lisa. „Lisa, es tut mir leid, dass ich vorhin so gemein war. Magst du gleich im Garten mit mir zusammen schaukeln?“ Lisa umarmte Marie zustimmend und beide freuten sich schon auf den Nachmittag. Karla kam nach einigen Minuten in den Gruppenraum um nach dem Rechten zu sehen und den Stand der Bilder zu begutachten. „Mensch Paul, das ist ja eine super Ritterburg, die du da gemalt hast“ sagte sie und lobte den kleinen Paul. „Ja Karla und hier male ich noch einen Ritter hin“ sagte er und zeigte auf den großen Turm im Bild. „Und weißt du was Karla, ich male die Prinzessin, die vom Ritter befreit wird.“ Ergänzte Lisa grinsend. Langsam ging Karla zu Marie. „Karla, das sind Lisa und ich, wir schaukeln gleich zusammen im Garten. Vorhin war ich gemein zu Lisa, aber gleich teilen wir unseren Himbeer-TeeFee Tee, denn ich habe zwei Strohhalme gemalt. Haben wir Strohhalme?“ fragte Marie Karla. „Die haben wir“ lächelte Karla stolz. Schön, dass sich die Situation von allein gelöst hat, dachte sie. „Wenn Karla wüsste...“ flüsterte Thea aus dem Pulli heraus und zwinkerte.